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Aktion Starke Hand

Seit 2017 ist vermehrt die Problematik der falschen Händigkeit bzw. der unterdrückten Linkshändigkeit in den Fokus unserer Arbeit geraten.

Das Erschreckendste für uns war dabei wohl die Erkenntnis, welche gravierenden Auswirkungen eine falsch gelebte Händigkeit auf die Gesundheit und das Wohlergehen der betroffenen Menschen haben kann, die sich fatalerweise meist überhaupt nicht dessen bewußt sind. (Siehe dazu auch Ritas Blog-Artikel Was wäre wenn)

Das Schockierendste war zu sehen, wie selbstverständlich linkshändig angelegte Kinder in die Pseudo-Rechtshändigkeit rutschen, weil es in den meisten Familien einfach keine linkshändigen Vorbilder (mehr) gibt.

Weil linkshändiges Schreiben noch bis in die 1980er Jahre in den Schulen verboten waren, tauchen erst langsam wieder linkshändig schreibende Menschen auf der Bildfläche auf. Nur einige wenige linkshändige Kinder schaffen es – trotz allen Rechtshändern um sich herum – bei ihrer starken linken Hand zu bleiben. Das ist erschreckend, wenn man bedenkt, daß nach neuesten Forschungen der genetische Linkshänderanteil bei 50 % liegt.

Die meisten passen sich durch reines Nachmachen einfach an. Der Nachahmungstrieb ist ein wesentliches Element des Lernens. Kinder machen erstmal alles genauso wie ihre Eltern oder ihre älteren Geschwister und mißachten dabei ganz leicht die inneren Signale ihrer eigenen Händigkeit. Und haben niemanden, der oder die sie dafür sensibilisieren würde. Denn wer ist – als Erwachsene*r – schon sensibilisiert, darauf zu achten, welche Hand die starke Hand eines Kindes ist, wenn das Kind das selbst nicht konsequent zum Ausdruck bringt?

Unser Anliegen ist es, die Menschen wieder zu sensibilisieren
für die STARKE HAND!

Alle Kinder sollen die gleiche Chancen haben, sich selbst und ihr ureigenes Potential zu leben. Das können sie aber nur, wenn sie alles Wichtige mit ihrer starken Hand machen – ob das nun die rechte oder die linke ist, spielt keine Rolle.

Ein rechtshändiger Mensch würde niemals auf die Idee kommen, irgendetwas Wichtiges mit der linken Hand zu machen. Er oder sie würde niemals ein Musikinstrument falsch herum spielen. Sie oder er würde niemals auf die Idee kommen, den Tennisschläger in die linke Hand zu nehmen, mit dem linken Fuß auf Tore zu schießen oder gar mit der linken Hand zu schreiben. Niemals !!!

Aber die meisten linkshändigen Menschen tun genau das. Sie legen (unbewußt oder bewußt) ihre starke Hand ab und leben – angepasst – mit der schwächeren rechten Hand. Alles, was ihnen mit der starken Hand einfach von der Hand gehen würde, kostet sie fortan mehr Kraft beziehungsweise geht ihnen einfach nicht so gut „von der Hand“.

Ein rechtshändiger Mensch kann sich und seine Kraft in dieser „rechtslastigen“ Welt wunderbar entfalten. Ein linkshändiger Mensch dagegen, der alles mit der schwächeren rechten Hand tut, hat oft schlechte Karten. Und nicht wenige quälen sich mehr schlecht als recht durch ihr Leben – ohne eine Ahnung, warum es so quälend ist. Permanent überfordert. Permanent erschöpft. So kann niemand sein angelegtes Potential entfalten, geschweige denn leben.

Es wäre schön, wenn sich das alles in den nächsten Jahren ändern würde. Aber dazu braucht es eine Sensibilität und ein gesellschaftliches Bewußtsein für das Thema der Händigkeit, das momentan einfach noch nicht wirklich vorhanden ist.

Rechtshänderinnen und Rechtshändern ist das Thema egal – sie haben was sie brauchen. Und die meisten linkshändigen Pseudo-Rechtshänder*innen sind froh, daß sie sich so gut angepaßt haben und wollen – erstmal – nichts von ihrer starken linken Hand wissen, die so gar nicht in dieses „rechtslastige“ und „linkshirnige“ System paßt.

  • Doch es geht hier um unsere Kinder und Enkel
  • Und um das Ende von unsinnigem jahrzehntelangen Leiden durch eine unbewußte, nicht gesehene, ignorierte, heruntergespielte Diskriminierung

Helfen wir also unseren Kindern und Enkeln, ihre ureigene starke Hand zu finden und zu  entwickeln. Helfen wir ihnen, das Eigene zu finden und dann bei sich zu bleiben, damit sich ihre ganze Kraft zeigen kann und sie diese entfalten können.

Richten wir unser Augenmerk besonders auf die ganz Kleinen. Beobachten wir genau, was sie mit welcher Hand tun – instinktiv. Merken wir, daß ein Kind eine starke linke Hand hat, braucht es oftmals unsere Hilfe, durch Aufforderung und Anleitung diese zu entwickeln. Wenn es sich früh schon angewöhnt hat, automatisch die Eltern oder Geschwister nachzuahmen und den Löffel mit der rechten Hand zu halten, dann geben wir ihm den Löffel auch mal bewußt in die linke Hand. Damit es spüren und ein Gefühl dafür bekommen kann, welches seine starke Hand ist.

Das würde aber auch bedeuten, den Tisch nicht immer gleich „rechtskonform“ zu decken, sondern den kleinen Kindern ihren Becher mittig zu stellen und einen Löffel auf beide Seiten des Tellers zu legen. Mit der starken Hand Essen zu lernen, ist außerordentlich wichtig, da die Nahrungsaufnahme an ein natürliches Lustempfinden gekoppelt ist. Ißt man mit der schwachen Hand, kollidiert die Lust am Essen mit der Unlust an den Bewegungen mit der falschen Hand.

Viele linkshändige Kinder kommen überhaupt nicht auf diese Idee, ihre linke Hand zu nutzen, wenn sie sehen, daß alle Welt um sie herum den Löffel oder den Stift mit der rechten Hand hält und nutzt. Das ist ein tief sitzender Automatismus, der mit Anpassung an das einen umgebende System zu tun hat. Und es folgt einem tief sitzenden Überlebensinstinkt: Je besser ich mich anpasse, um so sicherer bin ich.

Wenn wir darum wissen und aufmerksam beobachten, kann jede*r mit Wertschätzung und Ermunterung den Kindern dazu verhelfen, sich auch linkshändig auszuprobieren und sich auch damit sicher und dazugehörend zu fühlen. Durch ihre Linkshändigkeit wartet ein riesiges kreatives Potential auf seine Entfaltung, dessen Impulse die Welt und die Menschheit zur Balance und Erneuerung mehr und dringender denn je braucht.